Die Geschichte von einem Mädchen, das gerne eine Prinzessin sein wollte...

In einer großen Stadt lebte einmal ein Mädchen. Ein ganz normales Mädchen, wie es tausend andere auch auf der Welt gibt.

Ihr Name war Lisa, sie ging in die Schule und besuchte die erste Klasse. Das Mädchen hatte einen kleinen Bruder. Ab und zu wollte sie mit ihm Prinzessin und Prinz spielen, aber das interessierte den Jungen nicht. Seine Traktoren waren ihm wichtiger, die Traktoren waren ja fast wie echte, nur im Kleinformat eben. 

„Man muss ja immer praktisch denken“ sagte ihr Papa. Praktische Dinge sind viel wichtiger, weil man die Dinge immer im Leben brauchen kann. So hat der Papa dem Mädchen und ihrem Bruder das immer wieder erklärt. Sie hatte es  schon gewusst, Papa hatte es ja oft genug wiederholt. Aber Lisa wollte nicht immer nur mit praktischen Sachen spielen, so wie mit ihrer Puppenküche oder mit einem kleinen Bügeleisen, das wie echt aussah.  Das Bügeleisen hatte sie letztes Jahr zum Geburtstag bekommen, damit sie ihren Puppen die Kleider bügeln konnte. Es war ja auch praktisch, so lernte man als Kind schon die Sachen, die für Erwachsene wichtig waren.

Während Lisa mit ihrer Prinzessin Puppe spielte, träumte sie davon, einmal eine wirkliche Prinzessin zu sein, mit einem richtigen Prinzessinnenkleid und mit einer Krone auf dem Kopf. 
Die Krone musste auf jedem Fall einen oder mehrere rote Steine besitzen, denn rot war ihre Lieblingsfarbe. Welche Farbe das Kleid haben würde, wusste sie noch nicht!
Es gab ja viele schönen Farben, rosa, gelb, violett…. Sie wusste nicht, ob es überhaupt eine rote Krone gab und man echte Prinzessinnenkleider für Kinder kaufen konnte! Falls es solche Kleider geben würde, dann kauften ihre Eltern es sicher nicht.
Es wäre ja schrecklich unpraktisch, hörte das  Mädchen ihre Mama sagen: „Dieses Kleid kannst du nicht in die Schule anziehen und zum Fahrrad fahren auch nicht.“ Lisa antwortete,  aber sie könnte dieses Kleid ja zum Geburtstag anziehen und stellte sich vor, wie hübsch sie darin aussehen würde. Bis zu ihrem Geburtstag dauerte es allerdings noch eine Weile und sie fing an zu überlegen, wie sie ihre Eltern überzeugen konnte, damit  so ein Prinzessinnenkleid möglich wäre. Oder vielleicht sollte sie es lieber bei  Oma und Opa probieren. Sie haben auch schon hin und wieder Sachen gekauft, die in den Augen ihrer Eltern unpraktisch waren. Aber die Großeltern sahen es als Geldverschwendung an und somit musste Lisa weiter überlegen.
Die Zeit verging…. Es ist inzwischen Sommer geworden und das Schuljahr war zu Ende. Eines Tages war das Mädchen mit ihrem Papa in der Stadt  unterwegs. Sie mussten ein paar Einkäufe erledigen und waren schon auf dem Nachhauseweg. An der Kreuzung hat Lisa plötzlich ein großes Plakat gesehen. Es war ein Mädchen mit einem wunderschönen Prinzessinnenkleid darauf abgebildet. „Schau mal Papa“, sie nahm ihren Papa an die Hand und sagte noch einmal: „Schau wie wunderschön das Kleid ist!“ Mehr zu sagen hat sie sich nicht getraut, aber sie schaute ihrem Papa genau in die Augen, in der Hoffnung, dass er es versteht, was sie damit sagen wollte.
Papa lächelte und sagte bloß: „Komm, gehen wir, Mama wartet bestimmt schon auf uns.“
Als Lisa am Abend im Bett lag, konnte sie nicht einschlafen. Sie dachte an das Kleid, an ihre Familie, an sich selbst…. Sie dachte darüber nach, was sie mal werden wollte und, ob sie als erwachsene Frau auch so denken würde, wie ihre Eltern. Ob sie als Erwachsene verlernen würde zu träumen?
Es wäre ja furchtbar schade und irgendwie richtig langweilig... Als sie endlich eingeschlafen war, träumte Lisa von einem Märchenland, wo jedes Mädchen eine richtige Prinzessin war und auch ein wunderschönes Kleid anhatte. In ihrem Traum begegnete sie einer Fee und bat sie für immer in diesem Land bleiben zu dürfen. Die Fee nahm Lisa an der Hand und führte sie zu einem Märchenpalast. Dort gab es ein Zimmer das extra für kleine Prinzessinnen eingerichtet war, mit einem kleinen Tisch, ein paar Stühle, viele Blumen, einem ovalen Spiegel und aus dem Fenster konnte man in den Märchengarten schauen.
„Lisa“, sagte die Fee: “Denkst du nicht, dass deine Eltern traurig wären, wenn du nicht zu ihnen zurückkehrst?“ 
„Ja, das schon“, stimmte Lisa zu. „Aber meine Eltern sind immer so furchtbar praktisch.“ Die Fee lächelte und sagte: „Lisa, deine Eltern haben dich lieb, sehr lieb und sie wollen das Beste für dich, vergiss das nie!“ 
„Ich finde es schön, dass du da bist und, dass du dich traust zu träumen. In deinen Träumen kannst du immer wieder hierher kommen, aber es soll nicht bei dem bleiben. Deine Träume sind Hinweisschilder in deinem Leben.  Wenn deine Träume stärker als deine Angst und Zweifel sind, wirst du sie im realen Leben verwirklichen können. Im Leben stehen dir alle Wege offen. Vergiss deine Träume nicht, trau dich diese Wege zu gehen, gib immer dein Bestes und du wirst das erreichen, wovon du geträumt hast...“
Lisa wurde wach, die Sonne schien in ihr Zimmer. „Das war ein schöner Traum“, dachte sie und konnte sich an die Worte der Fee erinnern: „Vergiss deine Träume nicht, es stehen dir alle Wege offen!“
„Ich werde die Worte nicht vergessen“, versprach sich Lisa und ging in die Küche, wo ihre Eltern und ihr Bruder schon am Frühstückstisch saßen. 
„Hast du gut geschlafen?“, fragte Papa.
„Ja“, lächelte Lisa. „Und ich habe etwas sehr Schönes geträumt.“ Die Eltern schauten zuerst einander an und dann ihre Tochter. „Und was hast du geträumt?“  
Lisa strahlte und antwortete lächelnd: „Ich weiß jetzt was ich werden will, wenn ich groß bin!“
Ihr Geburtstag kam immer näher und Lisa freute sich darauf. Sie lud ihre Freundinnen und  Freunde ein. Lisa half der Mama viele praktische Dinge zu erledigen. Sie hatte sich vorgenommen sich über jedes Geschenk von ihren Eltern zu freuen, auch wenn es etwas Praktisches sein sollte. An ihrem Geburtstag wachte sie früh auf und schaute sich in ihrem Zimmer um. Auf dem Tisch neben ihrem Bett lag ein  Bild von ihrem Bruder. Er hatte einen roten Traktor gemalt, weil er wusste, dass die Farbe rot ihre Lieblingsfarbe war. Es war sonst kein anderes Paket oder Geschenk in ihrem Zimmer. Sie erinnerte sich an ihr Vorhaben, sich über jedes Geschenk zu freuen. „Am wichtigsten ist, dass ich mit meiner Familie und meinen Freunden meinen Geburtstag feiern kann,“ sagte sie zu sich selbst und ging zu ihrem Schrank. 
Als sie ihn öffnete blieb sie wie angewurzelt stehen. Sie staunte und traute ihren Augen nicht, ein wunderschönes Prinzessinnenkleid hing darin. Es war genau das Kleid, das sie auf dem großen Plakat gesehen hatte. Ja, und genau dieses Kleid kam in ihren Träumen vor. 
„Mein Traum ist in Erfüllung gegangen!“ Lisa zog natürlich gleich ihr neues Kleid an und ging zu ihren Eltern hinunter.  Sie umarmte sie und flüsterte: „Vielen, vielen Dank. Und woher wusstet ihr, welches Kleid mir am besten gefällt?“ 
Papa lächelte und sagte: „Es ist nicht wichtig zu wissen woher wir es wussten. Wichtig ist, dass die Träume der Kinder in Erfüllung gehen, damit die Kinder nicht verlernen zu träumen...“
 
Lisa ist eine Modedesignerin geworden und entwirft heute die schönsten Kleider für die kleinen Prinzessinnen!
 
Euer DeinKleid-Team